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16.09.2004
Prozesse für eine neue Generation von Stahlwerkstoffen
SZMF und TU Clausthal entwickeln Pilotanlage
In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität (TU) Clausthal entwickelt SZMF Konzepte
zur Produktion von Stahlwerkstoffen, die spezielle Anforderungen erfüllen.
Gerade der Werkstoff Stahl bietet für den
Leichtbau im Automobilsektor enorme Potenziale. So ist in den
letzten Jahren eine neue Klasse von Stahlwerkstoffen – HSD-(High
Strength and Ductility-)Stähle – entwickelt
worden, die beispielsweise bei guter Verformbarkeit ungefähr
dreimal so hohe Festigkeiten ausweist wie konventionelle
Feinblechgüten. Andere Stähle aus dieser Klasse sind bei
ungefähr doppelter Festigkeit auch doppelt so duktil (dehn-,
verformbar). Erreicht werden diese außergewöhnlichen
Eigenschaften durch relativ hohe, abgestimmte Gehalte an
preisgünstigen Legierungselementen wie Mangan, Aluminium und
Silizium. Sie aktivieren Werkstoffeffekte, die mit TRIP (TRansformation
Induced Plasticity) und TWIP (TWinning
Induced Plasticity) abgekürzt werden. Zusätzlich
lässt sich das Spektrum an Eigenschaften, das von hochfest bis
duktil reicht, durch eine Wärmebehandlung flexibel einstellen –
bei Bedarf auch am fertigen Bauteil, um z. B. ein definiertes
Crashverhalten zu erreichen.
Allerdings sind die heute
üblichen Stahlwerksprozesse für die Herstellung solcher
Werkstoffe nicht ohne weiteres nutzbar. Mit der Entwicklung
entsprechender neuer Produktionskonzepte, von der
Schmelzmetallurgie über das Gießen bis zum Umformen und zur
Weiterverarbeitung, befasst sich die SZMF gemeinsam mit der TU
Clausthal. Kernstück ist dabei eine für die neuen Werkstoffe
besonders geeignete Bandgießtechnik: Bei dem so genannten DSC-(Direct
Strip Casting-)Verfahren wird der flüssige Stahl
auf ein umlaufendes, von unten intensiv mit Wasser gekühltes
Gießband aus Stahl gegossen. Nach der Erstarrung wird das
entstandene Band direkt gewalzt.
Zur Untersuchung des DSC-Verfahrens wurde eine Pilotanlage entwickelt und im Institut
für Metallurgie der TU Clausthal aufgebaut. Mit dieser Anlage
konnten vor allem auch die erwähnten neuen Stahlwerkstoffe im 1
t-Maßstab erfolgreich hergestellt werden.
Dr. Joachim Kroos aus "SZMF aktuell" Ausgabe 1/2004 |