zum Seitenanfang Druckversion Home
Aktuell Unternehmen Forschung & Entwicklung Hauptabteilungen Leistungskatalog Karriere Kontakt
Home  |  E-Mail  |  AGBs  |  Impressum  |  english version

Aktuell

01.02.2010

Symposium im Industriemuseum Oberhausen

75 Jahre Stahlforschung in Duisburg-Huckingen
In diesem Jahr kann die Salzgitter Mannesmann Forschung GmbH auf 75 Jahre Forschung und Entwicklung in Duisburg-Huckingen zurückblicken. Aus diesem Anlass wurde am 10. und 11. September 2009 im Rahmen der SZMF-Reihe "Stahlforschung Insight" ein technisch-wissenschaftliches Symposium durchgeführt. Als Ort der Veranstaltung wurde das Rheinische Industriemuseum in Oberhausen ausgewählt. Das Museum ist in eine ehemalige, stillgelegte Zinkfabrik aus der Mitte des 19. Jahrhunderts integriert. In einer Dauerausstellung wird die Geschichte der Eisen- und Stahlindustrie an Rhein und Ruhr von den Anfängen bis zur Gegenwart dargestellt. Im Rahmen der Ausstellung werden auch einige interessante historische Exponate aus dem Bereich der Mannesmannröhren-Werke gezeigt.

Rund 200 Gäste
An diesem geschichtsträchtigen Ort kamen unter dem Leitsatz "Von der Werkstoffentwicklung bis zur Rohranwendung" gut 200 Personen zusammen, um von einer Reihe herausragender Vertreter aus Wissenschaft, Forschung und Technik sowie von befreundeten Unternehmen, die für diese Veranstaltung als Redner gewonnen werden konnten, die neuesten Erkenntnisse aus der Werkstoffforschung zu erfahren. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Werkstoff- und Prozesssimulation. Darüber hinaus wurde über neue Rohrprojekte wie das Nord Stream-Projekt berichtet. Geschäftsführer Prof. Dr. Matthias Niemeyer eröffnete das Symposium mit einem historischen Rückblick auf 75 Jahre Forschung und Entwicklung am Standort Duisburg der SZMF. Er beleuchtete die Anfänge des Mannesmann Forschungsinstituts (MFI) und wies u.a. auf die Tausende von Untersuchungsberichten hin, die in den zurückliegenden Jahrzehnten entstanden sind. Diese inzwischen digitalisierten Dokumente stellten einen erheblichen Wissensschatz dar, den es immer wieder zu nutzen gelte. Vorstandsmitglied Hans Fischer wies in seinem Grußwort auf die Bedeutung von Forschung und Entwicklung für die Salzgitter AG hin. Sie seien für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und ein nachhaltiges Wachstum des Konzerns unabdingbar. Der enge Kontakt zum Markt bzw. zu den Kunden sei dabei von großer Bedeutung.

Informative Fachsitzungen
Den Beginn der Fachsitzungen markierte Prof. Dr. Oliver Gassmann, Universität St. Gallen, mit seinem Vortrag über modernes Innovationsmanagement. Anschließend berichtete Prof. Bruno C. De Cooman, Pohang University, über die technischen Herausforderungen bei der Entwicklung neuer hochfester, hochmanganhaltiger TWIP-Stähle. Die folgenden drei Vorträge beschäftigten sich mit modernen Verfahren der Eisen- und Stahlgewinnung. Dr. Peter Eisen, HKM, berichtete über die Entwicklung der Hochofentechnik bei HKM, insbesondere über die Wirkung von Einblasmedien, und stellte die neue Kohleeinblasanlage vor. Prof. Dr. Karl-Heinz Spitzer, Universität Clausthal, stellte Hauptprozessrouten moderner Stahlherstellungsverfahren unter besonderer Berücksichtigung von Qualität und Verfügbarkeit von Rohstoffen vor. Dr. Matthias Weinberg, HKM, erläuterte die Entwicklung von Prozessmodellen im Schmelzbetrieb am Beispiel des Temperaturmodells und des Entschwefelungsmodells von HKM. In der sich anschließenden Mittagspause hatten die Teilnehmer Gelegenheit, das Rheinische Industriemuseum zu besuchen, wovon auch viele Gäste Gebrauch machten. Der Vortragsblock am Nachmittag des ersten Tages befasste sich mit der Werkstoff- und Bauteilsimulation. Prof. Dr. Ernst Kozeschnik, Universität Wien, berichtete über die Modellierung von diffusionskontrollierten Festkörper-Phasenumwandlungen. Im Anschluss daran beschrieb Prof. Dr. Matthias Militzer, The University of British Columbia, die Methode des laserinduzierten Ultraschalls zur Messung der Austenitkorngröße während des Warmwalzens im Rahmen seines Vortrags über die Simulation des Korngrößenwachstums. Das Thema von Dr. Joachim Konrad, SZMF, war die Entwicklung moderner mikrolegierter TM-Stähle. Er stellte dabei die bei der SZMF zum Einsatz kommenden Simulationsprogramme vor. Danach referierte Prof. George Smith, Oxford University, über den Einsatz des Feld-Ionen-Mikroskops zur dreidimensionalen Darstellung von Atomlagen in Metalllegierungen. Prof. Dr. Wolfgang Bleck, RWTH Aachen, sprach in seinem Vortrag "Stahl ab initio - ein neues Konzept für die Werkstoffentwicklung" über neueste Trends bei der Entwicklung gut kaltumformbarer Stähle. Prof. Dr. Hermann Riedel, IWM Fraunhofer Institut Freiburg, beendete den fachlichen Teil des ersten Tages mit einem Vortrag über Werkstoff- und Bauteilsimulationen. Die anschließende Abendveranstaltung, untermalt mit Musik des bekannten Ali Claudi Trios, nutzten viele Teilnehmer zu weiteren Gesprächen und Diskussionen oder zu einem Besuch des angeschlossenen Museums.

Interessante Vorträge auch am zweiten Tag
Der zweite Tag des Symposiums begann mit einem Vortrag von Prof. Dr. Bruno Buchmayr, Universität Leoben, über Gefügeänderungen im Zuge der Warmumformung. Neben Modellansätzen erläuterte er insbesondere die industrielle Umsetzung der Erkenntnisse. Danach ging Dr. Johannes Groß-Weege, SZMF, auf die Simulation von Umformprozessen bei der Herstellung von nahtlosen und geschweißten Rohren ein. Anhand des Mannesmann-Schrägwalzprozesses und des Blecheinformens bei der Großrohrherstellung erläuterte er die Möglichkeiten heutiger FEM-Programme. Dr. Christoph Prasser, V&M Tubes, beendete den ersten Vortragsblock mit einer Übersicht über die Herstellung und Anwendung nahtloser Rohre. Den Schwerpunkt des nächsten Vortragsblocks bildete der Einsatz von längsnahtgeschweißten Großrohren zum Transport von Erdöl und Erdgas. Dr. Michael Gräf, EUROPIPE, berichtete über neue Herausforderungen auf dem Großrohrsektor aus industrieller Sicht. Anhand möglicher zukünftiger Projekte formulierte er die steigenden Anforderungen an die Gebrauchseigenschaften großformatiger Leitungsrohre. Anschließend berichtete Dr. Dirk von Ameln, Nord Stream AG, über den aktuellen Stand des Nord Stream-Projekts, der geplanten Erdgasleitung in der Ostsee, und deren Bedeutung für die Versorgungssicherheit in Europa. Danach lenkte Dr. Marion Erdelen-Peppler, SZMF, den Blick auf die Sicherheit von Leitungsrohren, wobei sie besonders auf die dynamische Rissausbreitung und die Verhinderung von langlaufenden Rissen einging. Dr. Thomas Orth, SZMF, beendete den Vortragsblock mit der Erläuterung von Simulationen für zerstörungsfreie Prüfverfahren am Beispiel der Ultraschall- und der elektromagnetischen Simulation. Im dritten Vortragsblock beschäftigte sich Prof. John Agren, Königlich Technische Hochschule Stockholm, mit Nicht-Gleichgewichtsphänomenen bei der Phasenumwandlung in Stahl. Den letzten Fachvortrag des Tages hielt Prof. Dr. Dierk Raabe, MPIE Düsseldorf, über moderne Methoden der Werkstoffcharakterisierung. In seinem Schlusswort bedankte sich der scheidende SZMF-Geschäftsführer Prof. Dr. Matthias Niemeyer bei den Rednern der beiden Tage und für das große Interesse der Teilnehmer. Sein Dank galt darüber hinaus den Firmen Vallourec & Mannesmann Deutschland GmbH und EUROPIPE GmbH für deren großzügige Unterstützung des Symposiums.

Dr. Manfred Keller
Auszug aus "SZMF Aktuell" Ausgabe 2/2009

 

Eindrücke vom Symposium

Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern.